Archiv der Kategorie: Accessibility – Zugänglichkeit

Als Accessibility (deutsch Zugänglichkeit) bezeichnet man das Fehlen von Barrieren, die die Benutzung von Webseiten erschweren oder sogar unmöglich machen. Das gilt insbesondere für Menschen mit Behinderungen oder für Situationen, in denen die Bedienung von Webseiten erschwert ist (z. B. bei wechselnden Lichtverhältnissen, Lärm oder Rütteln, wie in einem fahrenden Bus).

Inclusive Design: Dialoge (Modals) barrierefrei gestalten

Dialoge werden immer wieder eingesetzt: meist zu unrecht. Sie sind ein Problem für Nutzer: man wird aus der Seite rausgerissen und bekommt etwas aufgedrängt, was man u.U. gar nicht bedienen wollte.  Oft ist die Benutzerführung auch nicht konsistent zum Rest der Seite und für Blinde Menschen ergeben sich noch mehr Herausforderungen. Es gilt also mehrmals zu überlegen, ob das was im Dialog angeboten werden soll, nicht anders präsentiert werden kann.

Wenn die Entscheidung doch für einen Dialog (modal) getroffen wird, gibt die folgende Anleitung einen guten Überblick über alles, was zu bedenken ist. Als Takeaway bekommt man auch noch den vorgestellten Code, den man an seine eigenen Bedürfnisse anpassen kann!

Viel Erfolg!

Make modals better for everyone

Workshop: Barrierefreie Webseiten entwickeln in Köln

Schulungsangebot der besonderen Art

Bei der hier angebotenen Schulung handeln es sich um ein Format, das von 2 Dozenten geleitet wird. Einerseits bringen sich beide Dozenten mit Ihren Spezialisierungen ein, so dass alle Fragen mit exzellenter Kompetenz beantwortet werden können. Andererseits werden neben der Vermittlung der Theorie Beispiele für Barrieren und deren Auswirkungen auf Menschen mit Behinderungen live vorgeführt.

Alle Beispiel wird Domingos de Oliveira von seinem Screenreader ausgeben lassen, so dass deutlich wird, welche Probleme insbesondere für blinde Menschen bei der Bedienung von Webseiten bestehen.

Inhalte des Workshops

Sie erhalten eine Übersicht über geltende nationale (BITV) und internationale Standards (WCAG), die Ihnen die Anforderungen von Menschen mit Behinderungen an Webseiten erläutern und als Checkliste bei der Entwicklung dienen können.

Im Wechsel werden die Dozenten zu Ihren Fachgebieten referieren und Ihre Fragen beantworten, so dass es weder zu stundenlangen vortragen kommt, noch Ihre persönlichen Anliegen zu kurz kommen.

Am Ende sind Sie in der Lage, eine Vielzahl von Barrieren zu erkennen. Anhand der erworbenen Kenntnisse und des ausgehändigten Skripts sind Sie in der Lage, Lösungen für Probleme zu recherchieren und eigenständig zu arbeiten.

Eine Teilnahmebescheinigung wird ausgehändigt, so dass Sie die erworbenen Kenntnisse nachweisen können.

Die Dozenten

Marc Haunschild

schwarz-weiß-Portrait: 45jähriger Mann mit Vollbart und Brille
Dozent, Entwickler, Fachbuchautor

ist Entwickler, Fachbuchautor und Dozent für Barrierefreie Webanwendungen, er hält Vorträge und berät Agenturen. Zu seinen Arbeitgebern und Kunden zählen die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung, TYPO3, das digital career institut, eduvision, web-vision u.v.a.m.

Er ist Mitglied in SelfHTML e.V.

Im Workshop wird er schwerpunktmäßig die Beispiele vorführen, sowie über die BITV und technische Aspekte der Barrierefreiheit berichten.

Domingos de Oliveira

Mann mit Anzug und Krawatte
Dozent, Trainer und Fachbuchautor

arbeitet seit 2010 als Berater und Dozent für digitale Barrierefreiheit. Er ist von Geburt an blind. Er hat bereits mehr als zahlreiche Personen zu diesen Themen geschult und viele Projekte beraten. Unter anderem hat er den BIENE-Wettbewerb für barrierefreie Webseiten fachlich begleitet. Zu seinen Kunden zählen die Aktion Mensch, die Deutsche Forschungsgemeinschaft und der Zoll.

Während der Schulungsmaßnahme wird er zu den internationalen Standards, den besonderen Anforderungen blinder Menschen und seinen Erfahrungen im Web referieren und Fragen beantworten. Außerdem wird er alle Beispiele im Screenreader vorführen.

Zielgruppen des Workshops

Der Workshop richtet sich in erster Linie an Entwickler. Kenntnisse in HTML und CSS sind sinnvoll.

Webagenturen und Unternehmen, die sich einen Wettbewerbsvorteil verschaffen möchten, erhalten hier Kenntnisse, die Ihnen Zugang zum Markt der etwa 8 Millionen Menschen mit anerkannter Schwerbehinderung verschaffen, aber auch zu den vielen Menschen denen aufgrund leichterer oder temporärer Einschränkungen die Bedienung konventioneller Webseiten schwer fällt.

Entwickler in Behörden, die barrierefreie Webseiten erstellen müssen, profitieren natürlich in besonderem Masse von den vermittelten Inhalten.

Laden Sie sich hier gerne eine Zusammenfassung des englischsprachigen Vortrags „economic aspects of accessibility“ herunter.

Termin und Adresse der Fortbildungsmaßnahme

Zeit

19.9.2018 von 10 bis 17 Uhr

Ort

TRAIN & EDUCATION Ltd.
Kölner Strasse 265
51149 Köln-Porz

Der Schulungsraum ist mit Computern ausgestattet, Sie müssen also keine eigene Hardware mitbringen.

Anmeldung und Kosten

Die Teilnahme am Workshop kostet 300,00 Euro zzgl. 19 % Umsatzsteuer. Bitte melden Sie sich spätestens zum 4.9.2018 verbindlich an. Mit Ihrer Anmeldung akzeptieren Sie die allgemeinen Teilnahme- und Geschäftsbedingungen. Diese finden Sie auf Seite 3 der Ausschreibung.

Sie können sich formlos per Mail an barrierefreiheit @ posteo.de anmelden. Teilen Sie uns bitte Ihren Namen und Ihre Kontaktdaten mit. Teilen Sie uns auch bitte aus organisatorischen Gründen mit, ob Sie eine Behinderung haben, die für Ihre Teilnahme am Workshop relevant ist.

Kontakt und Anmeldung

Kontaktieren Sie uns auch gerne, wenn Sie Fragen zum Workshop haben.
Domingos de Oliveira
– Freiberuflicher Accessibility-Consultant
Umsatzsteuer-ID: DE273231108
Karthäuserstr. 13
53129 Bonn
Telefon: 0176/32245129
Mail: barrierefreiheit ät posteo.de

Mögliche weiterführende Kurse

  • BITV – Webseiten konform zur Barrierefreien Informations-Technik-Verordnung erstellen
  • Redaktionelle Aspekte der Barrierefreiheit
    Texte für alle in einfacher Sprache, Texte korrekt auszeichnen und illustrieren

Wörterbuch der Gebärdensprache

Ich gebe es zu: was die Unterstützung von Gehörlosen in Bezug auf Zugänglichkeit von Webseiten geht, tue ich mich schwer.

Einerseits bin ich von der Notwendigkeit überzeugt, dass Barrieren abgeschafft gehören. Andererseits ist mir vollkommen bewusst, dass Teilhabe an einer mehrheitlich deutsch sprechenden Gesellschaft nicht dadurch zu erreichen ist, dass man die Mehrheit dazu zwingt, die deutsche Gebärdensprache (DGS) zu erlernen.

Grafische Darstellung des deutschen Finger-Alphabetes (Zeichnung)
By Landesverband Bayern der Gehörlosen e. V.

Der kleinste gemeinsame Nenner könnte die Schriftsprache sei. Doch wer taub wurde, bevor er lesen lernen konnte, hat es besonders schwer, das später nachzuholen.

Nun könnte ich es mir leicht machen und sagen, eine Webseite ohne Video in DGS verstärkt den Druck auf Taube sich der schweren Aufgabe zu stellen und die deutsche Schriftsprache zu erlernen, was letztendlich eine echte Teilhabe erst ermöglicht.

Dass widerstrebt mir aber aus zwei Gründen. Erstens möchte ich Menschen entgegen kommen, die vor besonderen Herausforderungen stehen. Zum anderen aber – und das ist mir wesentlich wichtiger – ist die bewusste Entscheidung jemanden zu seinem Glück zu „zwingen“ ein Eingriff in seine Selbständigkeit. Das Ansinnen zugänglicher Webseiten ist es in erster Linie, Menschen mit Behinderungen einen selbstbestimmten Umgang mit dem Web zu ermöglichen. Eben diese Selbstbestimmtheit würde durch die Weigerung, Texte in DGS zu übersetzen, unmöglich gemacht.

Nun ist es aber auch eine Tatsache, dass es Geld kostet, Videos in DGS bereit zu stellen. Für kostenlose und ehrenamtlich gepflegte Projekte wie haunschild.de ist es daher schlicht nicht möglich, sämtliche Texte übersetzen zu lassen.

Also auch Seitenbetreiber, die durchaus willens sind, sich Mühe zu geben, können den Anforderungen von Gehörlosen nicht entsprechen.

Daher finde ich persönlich den in der BITV genannten Kompromiss recht gelungen, nachdem größere Webseiten zumindest Zusammenfassungen in DGS bereitstellen sollen.

(2) Auf der Startseite des Internet- oder Intranetangebotes (§ 1 Nummer 1 und 2) eines Trägers öffentlicher Gewalt im Sinne des § 1 Absatz 2 Satz 1 des Behindertengleichstellungsgesetzes sind gemäß Anlage 2 folgende Erläuterungen in Deutscher Gebärdensprache und in Leichter Sprache bereitzustellen:

  1. Informationen zum Inhalt,
  2. Hinweise zur Navigation sowie
  3. Hinweise auf weitere in diesem Auftritt vorhandene Informationen in Deutscher Gebärdensprache oder in Leichter Sprache.

Ein interessantes Projekt in diesem Zusammenhang ist das Gebärdensprache-Wörterbuch:

Um die Integration von gehörlosen Menschen zu fördern, bieten wir ein lebendiges Gebärdensprach-Wörterbuch, das jeden einlädt mitzumachen.

Vielleicht ist es ja doch einen Versuch wert, wenigstens den Angehörigen und Bekannten von Gehörlosen eine Lernhilfe anzubieten.

Ein weiteres interessantes Projekt in dieser Hinsicht ist www.gebaerdengrips.de. Hier wird Kindern die Welt erklärt. In Videos, die allen zugänglich sind.

 

Jaws HTML Support

HTML5-Logo

Jaws ist ein bei Blinden sehr beliebtes Vorleseprogramm, mit dem es möglich ist, den gesamten Computer zu steuern. Die Beschriftungen sämtlicher Elemente (Knöpfe, Menü-Einträge, Texte in Word, Beschriftungen usw) werden als computergenerierte Sprache ausgegeben.

So wird die Bedeutung von Schaltflächen und anderen Bedienelementen für Menschen zugänglich, die nichts sehen können.

Screenreader könnne auch die Inhalte von Webseiten widergeben. Dabei lesen sie die Inhalte nicht nur linear vor, sondern geben Informationen über den Aufbau von Webseiten an den Benutzer weiter (Anzahl der Links oder Überschriften, Titel des aktuellen Dokumentes usw).

Bestimmte Bereiche der Webseite lassen sich gezielt ansteuern (Hauptbereich), man kann sich von Überschrift zu Überschrift oder von Link zu Link bewegen, um Webseiten auf verschiedene Art zu „scannen“ – so wie Sehende ja auch nciht alle Texte komplett lesen, sondern nur die Überschriften überfliegen, bis sie an einer interessanten hängen bleiben und dann den dazu gehörenden Text lesen.

Dazu analysieren Screenreader das HTML und sind auf eine saubere Auszeichnung der Dokumente angewiesen. Aber nicht jeder Screenreader kommt mit allen HTML-Elementen gleich gut zurecht. Für Jaws wird die Kompatibilität auf der Seite Jaws HTML Support dokumentiert.

ZDF erreicht 90,75 Punkte im BITV-Test (gut zugänglich)

Das zweite deutsche Fernsehen behauptet auf seinem eigenen Webauftritt unter www.zdf.de komplexe Inhalte für alle zugänglich aufbereitet zu haben.

Der dort genannte BITV-Test, mit dem auf Barrierefreiheit getestet wurde, ist in Fachkreisen zwar umstritten, ich halte ihn dennoch für ein geeignetes Werkzeug um Webseiten in Bezug auf Ihre Zugänglichkeit vergleichbar zu machen. Er ist aber nicht dazu geeignet, Barrierefreiheit zu erreichen, indem man die Punkte einen nach dem anderen versucht irgendwie formal zu erfüllen.

So darf es nicht das Ziel eines solchen Tests sein, an einer Webseite so lange herumzudoktern, bis eine gewisse Punktzahl erreicht wird (knapp über eingeschränkt zugänglich in diesem Fall).

Barrierefreiheit nach Verordnung oder inklusives Design?

Inklusives Design berücksichtigt die Bedürfnisse von allen Menschen bereits bei der Konzeption. Um mal ein Beispiel aus dem echten Leben zu bemühen: man kann ein Haus bauen und dann irgendwo wo Platz dafür ist, nachträglich einen Fahrstuhl dran bauen – zum Beispiel an der Rückseite und der Eingang zum Fahrstuhl ist nur über die Tiefgarage stufenfrei für Rollstuhlfahrer erreichbar. – Ein Prüfpunkt „Sind alle Stockwerke für Rollstuhlfahrer erreichbar?“ wäre so erfüllt. Aber wie rücksichtslos ist das denn bitte, wenn Menschen, die eh schon langsamer unterwegs sind, auch noch längere Strecken durch die für viele furchteinflößende Tiefgarage zurücklegen müssen – ältere Menschen mit Rollator, Mütter mit Kinderwagen und andere sind vielleicht auch darauf angewiesen. Zudem wird ein wichtiger Aspekt der Barrierefreiheit so ad absurdum geführt: Barrierefreiheit ist – wenn sie sinnvoll gemacht ist – ein Vorteil für alle. Wenn man müde ist oder schwere Sachen eingekauft hat, möchte man vielleicht den Fahrstuhl nutzen, auch wenn man keine Behinderung hat.

Daher spreche ich lieber von inklusivem Design oder Design für alle statt von Barrierefreiheit oder Zugänglichkeit. Die beiden letzten Begriffe klingen so, als würde man sich riesig viel Mühe für die wenigen Menschen mit Behinderungen machen und wir alle armen Steuerzahler müssen dafür irrsinnig viel zahlen.

Aber das stimmt nicht. Inklusives Design von einem, der sich damit auskennt, kostet wenig mehr als Design, das sich um die Bedürfnisse von Nutzern nicht kümmert und nur sich selber zum Zweck hat.

Inklusives Design kommt außerdem allen zugute, wie man an dem Beispiel mit dem Fahrstuhl sieht. Inklusive Design hieße in diesem Fall, den Fahrstuhl von Anfang an berücksichtigen und dahin bauen, wo es Sinn macht (am Haupteingang und für alle ohne Umweg erreichbar).

Was bedeuten 90 Punkte im BITV-Test

Einerseits kann es bedeuten, dass eine Webseite vieles richtig gemacht hat und dass schon viel Ahnung in die Erstellung der Webseite eingeflossen ist. es kann aber auch heißen, dass folgendes passiert ist.

Bei dem Versuch einen Prüfpunkt zu erfüllen hat man den zuvor vergessenen Fahrstuhl einfach irgendwohin gebaut, nachträglich, über einen Umweg erreichbar, den nur diejenigen auf sich nehmen werden, denen nichts anderes übrig bleibt. Mit entsprechenden Folgen.

An ein fertiges Haus muss teuer ein Aufzug angebaut werden, der vermutlich Lücken in die Wärmeisolierung reißt und so neben den unnötig hohen Kosten für die Errichtung auch für vermeidbare dauerhafte Kosten sorgt. So entsteht das falsche Bild, dass Barrierefreiheit teuer sein muss.

Bei Webprojekten sehe ich häufig, dass Firmen Barrierefreiheit anbieten, ohne das Thema zu behrrschen. Insbesondere die großen der Branche nehmen offenbar jeden Auftrag an und behaupten alles zu können, was der Kunde fordert. Wenn dann im Laufe des Projektes klar wird, dass Barrierefreiheit mehr ist, als einen Knopf zum Vergrößern der Schrift anzubieten, wird das Projekt nicht pausiert, um sich das Wissen anzueignen oder einen renommierten Berater ins Boot zu holen. Falls doch, wird auf den oft Druck ausgeübt, Barrierefreiheit „nicht so streng“ auszulegen. Dasselbe wird dann später mit den Prüfern des BIK gemacht (die den BITV-Test durchführen).

Warum macht man es nicht richtig?

Weil die Kosten sonst explodieren. Man hat das Projekt eigentlich „fertig“. Das heißt: alle Inhalte sind drin und auch für viele Menschen irgendwie erreichbar. Jetzt kommt der Prüfer vom BIK, zeigt die vielen Mängel auf und eigentlich müsste man jetzt noch mal zurück ganz an den Anfang in die Konzeptionsphase und den Fahrstuhl an einem sinnvollen Ort einplanen. Dazu müsste aber der vordere Teil des Hauses abgerissen und neu aufgebaut werden – das geht natürlich nicht. Am besten müsste vielleicht das ganze Haus neu gebaut werden. Aber: An diesem Punkt ist man oft schon über dem vereinbarten Budget (weil viel zu geringe Entwicklungskosten angenommen wurden) und scheut nun die zusätzlichen Arbeiten, die vermeidbar gewesen wären, wenn man es gleich richtig gemacht hätte.

So ist vielleicht auch zu erklären, dass der Prüfschritt „Bewegte Inhalte können abgeschaltet werden“ in den Einstellungen von „Mein ZDF“ versteckt wurde und den Test trotzdem „teilweise“ bestanden hat. Solche Einstellungen sollen nämlich „in der Nähe“ des bewegten Objektes vorgenommen werden können.

Das ist so ein Mechanismus wie der Fahrstuhl auf der Gebäuderückseite. – Umständlich und die Einstellung wirkt sich dann auf alle Inhalte aus. Wenn man es wieder ändern möchte, muss man erneut in die Einstellungen – jemand der nur gelegentlich auf die Seite zdf.de kommt, hat vermutlich schon vergessen, dass er da mal was eingestellt hatte. Alles in allem also ein vollkommen unbrauchbarer Mechanismus, der hier als Barrierefreiheit verkauft wird, obwohl er nicht einmal Menschen ohne Behinderung zugute kommt – haben Sie sich schon mal mit den Einstellungsmöglichkeiten von Webseiten beschäftigt?– Wohl kaum. Webseiten sollen einfach wie erwartet funktionieren.

Solche Konstrukte entstehen, wen man eine Webseite erstellt, die nicht barrierefrei ist, dann einen Test macht, dabei gefundene Fehler behebt, einen weiteren Test macht, wieder Fehler behebt und schließlich einen dritten Test benötigt um auf einen relativ bescheidenen Punktwert zu kommen.

Das heißt nichts anderes, als dass hier an eine schlecht zugängliche Webseite rundrum irgendwelche Dinge drangeflanscht wurden, um Punkte zu erreichen, unabhängig davon, ob Nutzer der Seite verstehen können, welche Hilfen vorhanden sind, wo sie diese finden und ob die intuitiv bedienbar sind.

Hauptsache der Aufzug ist irgendwo – auch wenn er so versteckt ist, dass ihn niemand benutzt. Der Test muss die Punkte geben, weil der Prüfschritt rein formell erfüllt ist.

Möglichkeit der Abwertung nicht genutzt

Ich möchte noch auf folgenden Punkt des Prüfverfahrens hinweisen:

„9.4. Möglichkeit der Abwertung
Bei allen Prüfschritten kann das Gesamtergebnis auf „eingeschränkt zugänglich“, „schlecht zugänglich“ oder auf „nicht zugänglich“ abgewertet werden. Voraussetzung ist sowohl ein „nicht erfüllt“ für den betreffenden Prüfschritt als auch die Einschätzung, dass die Nichterfüllung des Prüfschritts schwerwiegend ist.“

Wie ist es möglich, dass fehlende Audiodeskription bei allen getesteten Filmen auf einer Seite, in der es in erster Linie um Filme geht, nicht zu einer Abwertung auf nicht zugänglich geführt hat??? – Das macht das Testergebnis unglaubwürdig! – Ich mag den Test unter anderem wegen der Möglichkeit der Abwertung. Diese muss dann aber auch angewendet werden!

Fazit

So geht es nicht, liebes ZDF. Wenn man so etwas tut, dann wenigstens heimlich still und leise in der Hoffnung, dass niemand merkt, wie lieblos und schlecht die Umsetzung ist.

Statt dessen brüstet sich das ZDF damit „Komplexe Inhalte leicht zugänglich zu machen“.

Dazu nur eines: liebes ZDF, ein paar Listen mit Sendungsbeschreibungen, die aus Titel, Bild und Teasertext bestehen, sind so ziemlich die einfachsten Inhalte, die man sich vorstellen kann.

Aber man kann ja schlecht schreiben, dass simple Inhalte mit Ach und Krach im dritten Anlauf so gerade eben über die 90-Punkte-Marke im umstrittenen BITV-Test gekommen sind – zwar nicht gut bedienbar, aber formal die Bedingungen des Tests größtenteils erfüllend…

Auch ich sehe ein: das klingt nicht gut!

PS: die technische Umsetzung zeigt ein ähnliches Bild. HTML ist nicht bestimmungsgemäß verwendet worden. Nur ein Beispiel: wenn man ein div mit einer Klasse „teaser-foot“ benutzen muss, dann meint man sicher <footer> statt <div class="teaser-foot">
Das ist kein Drama und es gibt auch gute Ansätze (die Verwendung von schema.org zum Beispiel) – aber bei einer Seite von dieser Größenordnung, Reichweite und Bedeutung, hätte man sich an vielen Stellen mehr Mühe geben und von Anfang an das entsprechende Fachwissen holen sollen.

Das Web barrierefrei gestalten – Leitfaden für Entwickler

Mein Buch „Das Web barrierefrei gestalten – Leitfaden für Entwickler“ ist in der Trainer-Edition des „Herdt Verlag für Bildungsmedien“ erschienen.

Ziel war einen möglichst kompakten Einstieg für Entwickler in das Thema anzubieten. Obwohl das Buch und die mitgelieferten Beispiele auch Code enthalten, dienen diese in der Regel nur der Verdeutlichung der Prinzipien von barrierefreien Webseiten.

Mehr Besucher, bessere Webseiten, glückliche Nutzer – alle gewinnen!

Cover (Titelseite)
Das Web barrierefrei gestalten – Leitfaden für Entwickler (HERDT Verlag für Bildungsmedien – Trainer Edition 2017)

So wird beispielsweise gezeigt, wie Menschen mit Behinderungen und Entwickler von der bestimmungsgemäßen Verwendung von HTML profitieren. Barrierefreiheit ist nicht kompliziert, man muss nur wissen, wie es geht!

An zahlreichen Beispielen wird erläutert, warum sich Barrierefreiheit für Agenturen, deren Kunden und die Nutzer im Web lohnt – einschließlich nicht behinderter Anwender.

Statt langatmiger Erläuterungen bietet das kompakte Werk zahlreiche Verweise ins Web, so dass Entwickler Ihr Wissen gezielt zu bestimmten Themen vertiefen können. Auf Vorträge, Code-Beispiele und Tutorials von Heydon Pickering, Lea Verou, Leonie Watson, Kerstin Probiesch, Jan Eric Hellbusch und vielen anderen wird verwiesen und so ist dieser Leitfaden auch ein Wegweiser zu den Perlen der Zugänglichkeits-Experten im Netz.

Auf der Website des Verlages stehen das Inhaltsverzeichnis und eine Leseprobe bereit.

Ich würde mich freuen über Rückmeldung in Form von Verbesserungsvorschlägen, Kritik und Lob.

Zur Buchbeschreibung und Bestellung

Inclusive Design: Video von Leonie Watson über Flexbox (und Grid)-Layouts (und Tee)

Leonie Watson hat vor einer Weile einen Vortrag gehalten, der sich unter anderem mit der Zugänglichkeit von Webseiten beschäftigt, die mit Flexbox gestaltet werden.

Das meiste, was Sie hier gesagt hat, gilt auch für das neue CSS Grid. Deswegen: wer jetzt begeistert ist von den neuen Möglichkeiten des CSS-Grid, sollte sich das Video mal anschauen. So lassen sich (wie immer) Probleme mit der Zugänglichkeit von Anfang an vermeiden.

Übrigens: Der Grid-Pionier Microsoft passt seine Implementation an den aktuellen stand der Technik an!

Video (englisch): Leonie Watson: On CSS accessibility and drinking tea (CSS day 2016)

Link zum Video „On CSS accessibility and drinking tea (CSS day 2016)“ auf YouTube – YouTube erhebt Daten .

Tools und Links aus dem Vortrag: