Barrierefreiheit – ist das eigentlich das beste Wort?

Verfügbar habe ich neulich gelesen als Übersetzung von „accessibility“. Hat aber eine Weile gedauert, bis ich verstanden habe, dass damit Zugänglichkeit gemeint war Zugänglichkeit ist das was Experten und jene, die sich dafür ausgeben wollen, statt „Barrierefreiheit“ sagen.

Gibt es bessere Wörter für das, was mit „Barrierefreiheit“ gemeint ist?

Meine persönliche Meinung: es gibt viele Aspekte bei Übersetzungen. Es geht nicht darum Begriffe wörtlich zu übersetzen, das kann in die Irre führen oder Dinge unnötig komplizieren. Beispiel: assistive technology ist im Deutschen eben nicht assistive oder assistierende Technologie, sondern schlicht ein (digitales) Hilfsmittel.

Immer wenn wir ein Wort bewusst wählen, drücken wir damit nicht nur etwas offensichtliches aus. Sprache drückt neben der sachlich-trockenen, möglichst objektiv belegbaren, evidenten Information immer noch ein bisschen mehr aus. Es gibt keine Möglichkeit etwas völlig frei von Wertung, Emotion, politischer Anschauung, Assoziation und Subjektivität auszudrücken. Selbst wenn es diese Möglichkeit gäbe, würde die Entscheidung für diesen Ausdruck an Stelle eines anderen schon eine subjektive, emotionale Vorliebe für diese Sachlichkeit transportieren.

Für Sprache gilt wie für alles andere: „Kein Design gibt es nicht“.

Ich würde accessibility ins Deutsche mit “Barrierefreiheit” übersetzen, weil dies der Begriff ist, der von den meisten Menschen dafür genutzt wird. Ob das jetzt eine besonders passende “Übersetzung” ist, sielt dabei eine untergeordnete Rolle. Es ist das Wort, was sich hier etabliert hat für all das, was man im englischsprachigen Raum mit accessibility meint. Das liegt sicher auch da dran, dass es eine Bundesfachstelle Barrierefrieheit gibt, eine Barrierefrei IT-Verordnung (was bitte soll eine barrierefreie Verordnung sein?), den BITV-Test des ehemaligen Projektes barrierefrei informieren und kommunizieren oder die Barrierefreiheitsbibel “Barrierefreiheit verstehen uns umsetzen”. Wichtiger aber: es gibt außerhalb unserer Blase auch bauliche Barrierefreiheit. Der Begriff ist also schon etabliert gewesen, bevor wir “Internetfuzzies” kamen. Er war schon vor uns bereits mit derselben Bedeutung “gefüllt” wie accessibility und sollte daher auch genutzt werden – jedenfalls wenn man im Umfeld von Behörden, ÖPNVlern, Juristen, Architekten oder Nicht-Experten verstanden werden will.

Klar gefällt mir “Zugänglichkeit” besser, aber optimal ist der Begriff nicht. Man verwendet ihn oft mit der Begründung, dass es 100% Barrierefreiheit nicht gibt. Aber wenn etwas nicht vollständig barrierefrei für alle ist, dann ist es eben auch nicht für jeden zugänglich und das Problem bleibt ungelöst.

Trotzdem macht es durchaus Sinn, wenn man auf bestimmte Aspekte unserer Arbeit hinweisen will, abseits von “Barrierefreiheit” andere Begriffe zu nutzen. Accessibility. Zugänglichkeit und Verfügbarkeit oder mein Liebling “inklusives Design” sind völlig legitim und allein die Begründung für diese Begriffe sind der Sache nützlich.

Trotzdem: will man von möglichst vielen Menschen verstanden werden – was am Ende des Tages ja das ist, wofür wir alle arbeiten – dann bleibt man bei dem Begriff, mit dem die meisten Menschen vertraut sind: Barrierefreiheit.

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