Rezension: The CSS3 Anthology: Take Your Sites to New Heights

Das Buch ist leicht verständlich. Technisch sind mir keine größeren Fehler aufgefallen.

Allerdings gibt es doch viele Dinge, deretwegen ich das Buch nicht selber nutzen oder gar für den Unterricht verwenden würde. Dazu gehören Kleinigkeiten, wie die gedankenlose Bemerkung, dass inline-styles die einfachste Methode sind, Formatierungsanweisungen anzuwenden. Das klingt gerade für Anfänger verlockend und scheint daher das Mittel der Wahl. inline-styles gelten aber zu recht als schlechter Stil und sie führen (wie von der Autorin später selber dargelegt) die Vorteile von CSS ad absurdum. Die einzige sinnvolle Anwendung von CSS geschieht in einer zentralen Datei. Wie gesagt, das wird dann später noch dargelegt, aber ich kenne es aus eigener Erfahrung, dass ich, wenn ich mich in ein Thema einarbeite, gerne erst einmal die Methode ausprobiere, die als „am einfachsten“ bezeichnet wird. Das führt dann dazu, dass man die Methode die „am besten“ ist, später nochmal lernen muss. Unnötiger Aufwand und daher didaktisch unklug solche Sätze zu verwenden. Wie gesagt, das mag kleinlich erscheinen. Aber es zieht sich durch das Buch. So wird behauptet, dass feste Layouts auf einem Desktop-Computer mit großem Bildschirm gut zu nutzen sind. Gerade das von der Autorin verwendete Beispiel mit absoluten Positionen, in Pixeln angegebenen Breiten und relativen Schriftgrößen kann sehr schnell zu Problemen führen, da lange Worte nicht in die vorgegebenen Boxen passen werden, wenn ein Besucher die Schriften im Browser vergrößert. Die Verwendung des Seitenzooms wird zudem dazu führen, dass das Layout schnell aus dem Browserfenster wächst.
Schon die nächste Kapitelüberschrift „How do I create a design that works well on mobile devices“ unterstellt, dass ein herkömmliches (nicht responsives) Layout auf mobilen Geräten nicht funktioniert. Tatsächlich ist die Desktop-Version einer ordentlich gemachten Webseite aber mein persönlicher Favorit auf iPhone, iPad und Co. – Diese Geräte bieten mir auf ihren vergleichsweise kleinen Geräten einen schnellen Überblick über die gesamte Website. Ein „Doppeltipp“ auf eine Spalte vergrößert diese bildschirmfüllend und alle Elemente sind an den Stellen, an denen ich sie vom großen Computer her gewöhnt bin: Suche oben rechts, Navigation links usw. Der Überblick ist besonders hilfreich auf Webseiten, die sich nicht an solche Konventionen halten.
Herkömmlich gestaltete Seiten sind also durchaus auf mobilen Geräten nutzbar und ich bin nicht der einzige, der diese Darstellung bevorzugt. Deswegen sollte es auf Seiten, die sich auf kleinen Displays automatisch anders verhalten, wenigstens ein Link zur „normalen Version“ vorhanden sein. Aber so ein Link wird weder umgesetzt, noch wird auf diese ganze Diskussion überhaupt eingegangen.
Vielmehr wird der von der Autorin bevorzugte Weg hier und an anderer Stelle als beste oder gar einzige Methode dargestellt – was sicher gut gemeint war, kostet hier die Lernenden unter Umständen unnötig Zeit.
So wird responsives Design als die beste Methode genannt, um Bildschirme mit unterschiedlicher Breite zu berücksichtigen. Unterschiedliche Wünsche von Nutzern, wie oben beschrieben werden nicht behandelt.
Außerdem werden einige gerätespezifische Dinge hinzugefügt. Diese sind zwar sinnvoll, aber meiner Meinung nach nicht komplett. Ich vermisse hier Hinweise auf fertige Sets, wie die HTML5boilerplate.com – die Zeiten sind längst vorbei, in denen jeder Entwickler für sich einen Satz von Formaten schreiben musste, die der Harmonisierung von Browserunterschieden dienen. Auch hier wird wieder fahrlässig mit der Zeit der Käufer umgegangen.

Zudem wird mir nicht klar, für wen das Buch sein soll. Für Anfänger ist das Buch aufgrund der einseitigen Sichtweise nicht empfehlenswert. Für Fortgeschrittene sind Beispiele und Erläuterungen zu banal.

Fazit:
Die eigene, subjektive Meinung der Autorin, wird häufig als „die beste“ dargestellt. Gerade der Anfänger kann die Vorteile und Nachteile der aufgezeigten Lösungen nicht bewerten und erhält an vielen Stellen auch keine Entscheidungshilfe. Beispiele, wie man es nicht machen sollte (Breitenangaben in Pixeln, absolute Positionierung), führen den Leser in eine falsche Richtung. Formulierungen wie „am einfachsten ist…“ verführen dazu schlechtere Lösungen zu bevorzugen.
Außerdem bleibt das Buch oft hinter den Möglichkeiten der aktuellen Browser zurück. Was als Vorteil verkauft wird (funktioniert auch in alten Browsern), betrifft gerade Leute, die erst mit CSS3 beginnen kaum noch. Schon mit dem IE8 ist mehr möglich, als die Autorin zeigt (z. B. einfach umzusetzende Spalten-Layouts mit CSS-Tabellen).
Die Beispiele sind oft veraltet, statt aktueller HTML-Elemente werden divs benutzt, denen dann nicht einmal ein role-Attribut mitgegeben wird. Das ist richtig schlecht. Mit den semantisch korrekten Elementen (nav, article, aside usw) würden auch die für z. B. blinde Nutzer so wichtigen WAI-ARIA-Landmarks mitgeliefert – ohne im Detail erklären zu müssen, was die machen, ohne dass der Anfänger das überhaupt wissen muss (in ein HTML5-Buch würde das natürlich rein gehören).

Hinweis:
Diese Rezension beruht lediglich auf dem Überfliegen der auf Amazon.de bereitgestellten Vorschau. Es ist durchaus möglich, dass andere Kapitel sinnvollere Beispiele, bessere Erläuterungen oder aber auch noch mehr Ungenauigkeiten/Probleme/Fehler enthalten.

 

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